Meine Geschichte

Alles begann im letzten Dezember, ich glaube es war der 07/12/2013. Da ich mit meinem damaligen Freund schon über drei Jahre zusammen war, musste ich mir für das diesjährige Weihnachtsgeschenk viele Gedanken machen, da die Ideenvielfalt nach einer so langen Zeit langsam nachlässt. Mir kam die Idee, einen Kalender für ihn zu gestalten, mit Dessoubildern von mir. Deshalb machte ich mich schlau und suchte eine Fotografin/einen Fotografen. In meinem Bekanntenkreis gab es zu der Zeit sogar ein Mädchen, dass Fotografie studiert und nicht weit weg von mir wohnte. Ich machte einen Termin aus, der schon sehr zeitnah angesetzt wurde. Da ich damals keine Modelfigur hatte, wollte ich noch ein bisschen an meiner Figur pfeilen, damit ich zufrieden mit den Fotos sein konnte und ich mich in der Unterwäsche wohlfühlte. Also begann ich, joggen zu gehen. Meine Ernährung war damals nicht besonders ausgewogen und ich habe nie die gesunden Lebensmittel bevorzugt, deshalb begann ich erst einmal, nur Wasser oder Selter zu trinken und joggen zu gehen. Das habe ich auch gut durchgehalten und der Fototermin rückte näher. Insgesamt hatte ich zwei Wochen Zeit, mich für das Shooting zu "formen" :D und das von mir aufgestellte Programm (joggen, Verzicht auf Naschen und Selter trinken) habe ich sogar gut durchgehalten. Kurz vor Weihnachten war dann das Fotoshooting und ich war sogar relativ zufrieden mit den Fotos. Klar - ich hatte immer noch keine Modelfigur - aber mein Freund hat sich über die Bilder gefreut und ich war auch relativ zufrieden. Damit ihr euch vorstellen könnt, wie ich so aussah; Ich bin i,70 m groß und wog damals 70 Kilogramm. Das ist zwar kein Übergewicht, aber eine Traumfigur ist es natürlich auch nicht.

Nachdem ich merkte, dass mir das Trainingsprogramm gar nicht schlecht gefallen hat und ich an mir ein gewisses Maß an Disziplin feststellte, wollte ich dieses Training fortführen, da ich schon lange von schlankeren Beinen und einer besseren Figur träumte. Und ich muss sagen, ich habe es durchgezogen.

In der Hochphase meiner Abnehmzeit aß ich morgens Porridge oder in der Schule (da war ich im 13. Jahrgang und das Abitur rückte näher) eine leckere Box mit Obst, Mittag dann eine Gemüsepfanne, Fisch oder anderes gesundes Essen und abends immer Naturjoghurt mit Honig und leckerem Obst. Dazwischen gab es meistens nichts, vielleicht mal einen Apfel, aber das wars dann auch.

In der Zeit lebte ich wirklich nur für meine Ernährung, das Joggen und der Abiturvorbereitung. Jeden Morgen ging ich auf die Waage und erstaunlicher Weise wurden die Kilos weniger und weniger. Ich war so stolz auf mich und kurz vor Ostern 2014 war ich dann bei 58 Kilogramm. Ich habe mich noch nie so wohl in meinem Körper gefühlt und reflektierend kann ich sagen, dass das die beste Zeit in meinem bisherigem Leben war. Dann kam Ostern, da habe ich natürlich viel Schokolade vertilgt und das Abi rückte näher; da ist Nervennahrung nicht ausgeschlossen.

 Nach den bestandenen Abiturprüfungen konnte ich mich wieder auf mein Sport und meine Ernährung konzentrieren und dann hieß es; mein Abiballkleid aussuchen. Ich konnte es kaum fassen, Kleidergröße 34 <3

Da sogar dieses Kleid an meinem Bauch ein wenig eng war, musste das Kleid noch zur Schneiderin und kurz vor meinem Abiball wollte ich wieder in das geänderte Kleid schlüpfen doch - es war zu eng. Aus Angst davor, kein Kleid zu besitzen, verschärfte ich meinen Abnehmplan und wog nun so 56 Kilogramm. Der Abiball kam und ich passte in mein Kleid. Es war ein toller Abend, ich fühlte mich so hübsch und ich lebte ganz anders, als vorher. Ich war schon immer selbstbewusst, doch mit meiner Figur war ich nie sonderlich zufrieden. In dieser Zeit, liebte ich alles an mir. 

Schule erfolgreich beendet, meine Traumfigur erreicht und eine Ausbildung in der Tasche. Das Leben hätte nicht besser sein können. 

Nach dem Abitur war ich einen Monat auf Lanzarote, um freiwillig in einem Tierheim zu arbeiten. Es war eine tolle Zeit und alle sagten mir, wie schön ich bin und was ich für eine tolle Figur habe. Da ich auf der spanischen Insel jedoch wenig gegessen habe und die körperliche Anstrengung dazu kam, wog ich nach dem Monat noch 54 Kilogramm. Ich fand die Figur nicht schlecht, mein Umfeld jedoch fand mich zu dünn. 

Dann kam der Umzug... Und mein Arbeitsleben; Mein Leben - das, was ich mich erarbeitet habe, um glücklich zu sein - wollte nicht mehr, dass ich glücklich bin.

Ich zog zum 01.08.2014, also zum Start meiner Ausbildung als Kauffrau im Gesundheitswesen in Hamburg, in eine kleine Stadt, nah an Hamburg, mit meinem damaligen Freund. Wir richteten alle sehr schön ein und ich dachte, das wird nun die Krönung meines Jahres 2014. Doch nach zwei Wochen, als meine Arbeit begann, führ mein Freund zu seinem Cousin und ließ mich allein. Wir stritten, weil ich in angezickt habe und er es nicht verstand, aber ich fühlte mich alleine; überfordert mit allem. Alles hat sich verändert. Meine Freunde wohnten in einem anderen Dorf, meine Familie ebenfalls, eine neue Umgebung, die erste eigene Wohnung, das erste Mal richtig arbeiten und den ganzen Tag unterwegs sein. Mein Kater, den ich von Lanzarote mitgebracht habe, fehlte mir unglaublich doll und ich war allein.

Als er wieder kam, haben wir weiter gestritten... Er hatte mit einer anderen geschrieben und bei ihr über mich gesagt, dass ich nervig sei und "eh immer nur rumpissen würde" (zu der Beziehung zu meinem Freund komme ich nochmal, das ist eine zu lange Geschichte) und ich dachte mir nur "scheiße. Scheiße scheiße scheiße. Wieso bin ich nicht alleine in eine Wohnung gezogen? Das fängt ja schon klasse an." Wir distanzierten uns weiter; er hatte Semesterferien und langeweile; wusste nicht, was er machen soll. Und ich war den ganzen Tag unterwegs und abends hundemüde von dem langen Tag...

Meine gesunde Ernährung habe ich auch nicht mehr durchgehalten... Mein Ex-Freund wollte, dass ich mit ihm esse und ich habe mich innerlich unter Druck gesetzt gefühlt. Und dann wendete sich alles zum negativen.

Ich habe eine sehr gute Freundin und ihren Freund eingeladen, um einen Spieleabend mit ihnen zu verbringen... Ich habe viele Leckereien eingekauft und leckere Säfte und ein bisschen gebacken... Kurz vor der vereinbarten Uhrzeit sagte sie ab, da ihr Freund Magen-Darm bekommen hat. Und dann begann es... Ich habe alles, was ich eingekauft habe (und das war viel) mit meinem Freund aufgegessen... Mein Bauch tat so weh danach und ich habe mich so schlecht gefühlt... Und jetzt weiß ich, dass meine Essstörung da angefangen hat.

Binge-Eating.

Die Beziehung zu meinem Freund wurde immer schlechter; er war deprimiert wegen seines Studiums und der Wohnsituation und ich war den ganzen Tag unterwegs und dauergestresst. Ich habe mich nicht wohl in der Wohnung gefühlt, konnte mit niemanden richtig reden, weil ich zu stolz war, meinen Eltern von meinen Sorgen zu erzählen. Der einzige, der mir Kraft gegeben hat, war mein Kater, der auch in meine Wohnung gezogen ist.

Ich weiß noch ganz genau, als mir aufgefallen ist, dass ich eine Esstörung habe. Ich kam von der Arbeit und wollte noch für die Abteilung einen Kuchen backen, in der ich den letzten Tag war... Und als ich fertig war und gesehen habe, wie spät es schon ist und wie versaut die Küche war, ging es los. Ich habe alles gegessen, was ich finde konnte. Sogar das Nutella-Glas ausgelöffelt, eine Tafel Schokolade, trockenes Brot - egal was - hauptsache rein damit. Danach konnte ich mich nicht mehr bewegen und ich dachte, mein Bauch platzt und ich musste einfach nur noch ins Bett. Und so ging es weiter. Dann gab es wieder Tage, an denen ich mich aufraffte... Aber mindestens zweimal die Woche habe ich diese Fressattacken bekommen. 

Mein Freund und ich redeten mitlerweile nicht einmal mehr.. Jeden Tag habe ich zu Hause angerufen und mir die Augen ausgeheult und dann haben meine Mama und ich den Entschluss gefasst, dass ich da weg muss... Ich habe mit meinen Freund geredet und der wollte da ebenfalls nicht mehr wohnen bleiben und so kam es, dass wir wieder auszogen. Jetzt wohne ich wieder zu Hause (seit Dezember 2015) und alle Probleme sollten eigentlich gelöst sein... Aber die Fressanfälle blieben. Meistens geht es am Freitag los. Bei der Arbeit hole ich mir heimlich drei Riegel Schokolade, nasche etwas von der Abteilung, gehe nach der Arbeit zum Bäcker und hole mir 3 Brote, halte an der nächsten Tanke an um mir da noch etwas zu holen, fresse zu Hause weiter, um dann mit extremen Schmerzen im Bett zu landen... So geht es jetzt fast jedes Wochenende. Ich gehe nicht mehr feiern, liege im Bett und versauere. Ich mache zwar noch viel Sport, aber wisst ihr, die 1000 Anläufe, wieder eine gute Figur zu bekommen, die dann vier Tage halten, frustrieren einen so extrem, dass man irgendwann alle Hoffung verliert. 

Nun bin ich mittlerweile wieder bei 67 Kilogramm und fast so schwer wie am Anfang. Ich hasse mich momentan und mein Leben genauso. Ich mache es selber kaputt durch die Fressanfälle... Aber ich sie kommen einfach immer wieder. 

 Ich denke, dass die Zeit in der Wohnung mir nen ganz schönen Knack gegeben hat, so viel habe ich noch nie geweint.... Und ich hoffe, dass sich alles wieder zum besseren wendet. Deshalb habe ich diesen Blog erstellt, um meine Gefühle zu dokumentieren.

 

Ich möchte wieder glücklich sein, mit mir, meiner Figur, meinem Leben. Ich möchte wieder Spaß haben, feiern gehen, ehrlich lachen und vielleicht einen Mann finden, den ich wieder lieben kann. Aber das kann erst passieren, wenn ich mit mir selber wieder im Reinen bin. 

 

Deshalb sage ich jetzt zum letzten Mal; Morgen beginnt mein neues Leben! Ich ziehe das durch.

 

22.3.15 19:31

Letzte Einträge: Hey, Wie ein Tagebuch..., N'Abend :), Guten Morgen :)

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